Rückkopplung / Feedback 2

Einpfeifen, dem Feedback (Rückkopplung) den Kampf ansagen

Vorweg: du solltest die Artikel Pegel, Frequenz und Feedback 1 gelesen haben.

Im Beitrag Feedback 1 haben wir uns angesehen, was ein Feedback ist und wie es entsteht. Jetzt wollen wir uns mal ansehen, wie man es bekämpfen kann.

Zur Theorie: wenn man sich ein Feedback auf einem Audio-Analyzer anschaut, stellt man fest, dass es sich um einzelne Frequenzen (-Bereiche) handelt, die drastisch überhöht werden durch den Rückkopplungseffekt. Also müsste man dem Problem doch mit einem EQ zu Leibe rücken können. Sprich: wir ziehen genau die Feedback erzeugende Frequenz ( auch Koppelfrequenz genannt) mit einem Equalizer runter und schon ist das Problem behoben.

Soweit die Theorie. In der Praxis nennt man das dann „Einpfeifen“ und ist etwas komplizierter, aber die Grundidee passt. Nehmen wir als Beispiel eine ganz einfache Beschallung, bestehend aus:

1 Mischpult (analog)

1 Equalizer (graphisch, 31-Band)

1 Mikrofon

1 Verstärker

2 Lautsprechern

Verkabelung

Das sieht dann ungefähr so aus:

Rückkopplung bekämpfen, einfacher Aufbau

Rückkopplung: einfacher PA-Aufbau

Wie du siehst, befindet sich der graphische EQ zwischen Mischpult-Ausgang und dem Verstärker-Eingang.

Wenn du jetzt das Mikrofonsignal auf die PA gibst und den Level langsam erhöhst, kommt irgendwann unweigerlich die erste Rückkopplung. Welche Frequenz das ist, hängt von sehr vielen Faktoren ab, wie Raumgröße und Beschaffenheit, Position des Mikros im Raum, Mikofon-Abstand zu den Lautsprechern, etc ab und soll uns hier nicht weiter beschäftigen.

Du schiebst also den Fader des Mikrokanals langsam hoch bis zum ersten leisen Feedback. Wenn du vorsichtig bist, schaukelt sich das Signal langsam auf und du kannst den Fader wieder etwas runter nehmen, bis das Feedback wieder leiser wird und gerade verschwindet. Nun muss man abschätzen: war das ein hohes Pfeifen, oder eher ein fieses Kreischen in den Mitten, oder ein tiefes Döhnen?

Jetzt am EQ verschiedene Regler ausprobieren. Findest du es war eher mittig, dann beginne z.B. bei 1kHz und schiebe den 1kHz-Regler am EQ vorsichtig nach oben. Nix passiert? = falsche Frequenz. Nächster Regler, da kommt was leise? Okay, teste auch die Nachbarfrequenzen aus. Der Regler, bei dem es sofort zu Hupen beginnt, stärker als die anderen, der ist der richtige! Ziehe diesen Regler nun etwas nach unten. Jetzt kannst du den Kanalfader des Mikros ewas höher stellen. Du hast ein paar dB Luft gewonnen.

Doch wenn du den Fader höher schiebst, tauchen auch bald die nächsten Koppelfrequenzen auf, die nächsten Feedbacks, nur andere Frequenzen. Also das gleiche Spiel von vorn: den richtigen Regler am EQ suchen und runterziehen.

Das kann man mit mehreren Frequenzen machen, aber es gibt natürlich Grenzen der Machbarkeit. Wenn dein EQ hinterher aussieht wie ein Kamm, oder nur noch 3-4 Regler auf Null stehen, bist du über das Ziel hinausgeschossen. Man muss immer einen Kompromiss finden zwischen der Rückkopplungssicherheit und dem Gesamtklang der PA. Abenteuerliche EQ-Einstellungen produzieren nur einen Grottensound. Wenn deine PA nur noch schrecklich klingt, stelle alle EQ-Regler zurück auf Null und beginne von vorn.

Hast du eine ganze Band auf der Bühne und Monitore, dann musst du dieses Einpfeifen für jeden Monitorweg einzeln wiederholen. Das heißt aber auch du brauchst für jeden Monitorweg einen eigenen EQ! Das macht das Setup und den Aufbau natürlich aufwendiger. Bei den Monitoren kannst du etwas härter zu Werke gehen, um mehr Rückkopplungssicherheit zu gewinnen.

Digitalpulte

Viele Bands haben heute ein digitales Mischpult. Meist stehen einem dort Parametrische EQs zur Verfügung. Mit denen kann man genauer, nahezu chirurgisch eingreifen, aber sie sind auch etwas komplizierter zu bedienen. Hinzu kommt, dass sie meist nur 4 Bänder zur Verfügung stellen:
Lo, Lo Mid, Hi Mid, Hi.

Die Grundarbeitsweise ist identisch, nur gibt es hier keine Schieberegler. Pro Band gibt es 3 Regler:

  1. FRQ = Frequenz: hiermit wählt man die zu bearbeitende Frequenz aus.
  2. Q = Filtergüte. Bestimmt wieviel von den Nachbarfrequenzen noch mitbeeinflusst werden. Hohe Werte = schmaler Bereich, niedrige Werte = breiter Bereich.
  3. GAIN: hebt, oder senkt die ausgewählte Frequenz an/ab.

Nun zur Praxis:

  1. Mikrofonpelgel wie im obigen Beispiel einstellen,
  2. mit dem FRQ-Regler die geschätzte Frequenz einstellen
  3. den Q-Regler auf einen mittleren Wert einstellen
  4. Nun vorsichtig den GAIN hochdrehen. Einen Finger immer am Mikrokanal haben!
  5. Mit dem FRQ-Regler „fährt“ man nun durch das Frequenzband, bis man auf die Koppelfrequenz trifft. ACHTUNG: da man mehrere Regler bei diesem EQ bedienen muss, ist es schneller den Mikrofon-Fader runter zuziehen, wenn die Rückkopplung kommt. Also: immer eine Hand am Mikrokanal!
  6. Hast du die richte Koppelfrequenz gefunden, ziehe sie mit dem GAIN runter. Du kannst noch den Q-Faktor höher stellen, um das Gesammtsignal nicht so sehr zu verbiegen. Wie weit, das musst du ausprobieren. Auch hier gilt: Kompromiss finden zwischen effektiver Feedbackunterdrückung und Gesamtklang der Anlage.

WICHTIG: alle hier vorgestellten Tricks und Techniken erfordern fleißiges Üben. Mit der Zeit wächst die Erfahrung und die Ergebnisse werden besser. Ohne Training geht da garnichts und erst im Saal vor Publikum zu üben ist Folter für beide Seiten!

In diesem Sinne …

Und wie immer gilt: nur für private Zwecke! Keine unerlaubte Weiterverwendung durch Dritte. © 2012 Markus Hausmann.


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