Pegel 3: richtig aussteuern digital

Vorweg: zum besseren Verständnis solltest du meinen Beitrag „richtig aussteuern analog“ gelesen haben. Wie dort schon erwähnt, werden die Grenzen des Pegels nach unten vom Grundrauschen und nach oben hin von der Übersteuerung festgelegt. Allerdings liegen diese Grenzen bei digitalen Signalen woanders. Um das zu verstehen müssen wir uns verdeutlichen, wie „digital“ funktioniert. Gehen wir von folgendem Beispiel aus:

Mikrofon     ——->  digitales Mischpult ——-> Lautsprecher

Das Mikro liefert uns einen Ton (analoges Signal). Am Eingang des Mischpultes wird dieser Ton durch einen AD-Wandler (Analog – Digitalwandler) in Bits + Bytes zerlegt, also computerfresstbare Daten. Lauter Nullen und Einsen. Dafür nimmt der AD-Wandler mehrere tausend Mal pro Sekunde Maß an dem Ton und uns schreibt diese Werte auf. Als Ergebnis haben wir nun einen Datenstrom, mit dem man weiterarbeiten kann. Wie oft der AD-Wandler Maß nimmt bestimmt die Samplingfrequenz. Liegt diese bei 44,1 kHz, misst er also 44100 Mal pro Sekunde.

Im Mischpult kann man nun mit diesen Daten Pingpong spielen, denn alle Operationen wie EQ, Kompressor, Lautstärke, etc sind jetzt nur noch Rechenoperationen. Damit wir unseren im Mischpult bearbeiteten Ton auch anhören können, durchläuft er am Ausgang des Mischpultes einen DA-Wandler (Digital-Analog-Wandler). Der arbeitet spiegelbildlich zum AD-Wandler und bastelt so wieder einen analogen Ton aus den ganzen Nullen und Einsen. Dieser Ton geht nun zum Lautsprecher und wir können ihn hören.

Der Segen dieser Technik, die große Freiheit in der Signalbearbeitung durch die Digitalisierung, ist zugleich auch ihr Fluch, denn dieses System verhält sich ganz anders, als die Analogtechnik. Einerseits gewinnen wir viel Luft nach unten hin, da das Grundrauschen hier meist viel geringer ist, andererseits sind Übersteuerungen tötlich! Der AD-Wandler schneidet alles radikal ab, was seine technische Obergrenze von 0dB überschreitet. So wird aus einem sinusförmigen Signal schnell ein Rechtecksignal. Das hat verheerende Wirkung für den Klang: man hört sofort heftiges Kratzen und Knacken. Ein digital übersteuertes Signal ist somit unbrauchbar.

Für die Praxis heißt das: sehr sorgfältig auf den Pegel achten! Lasse immer mindestens 12dB Luft nach oben hin.

Andererseits ist es genauso falsch aus Angst vor Übersteuerung zu niedrig auszusteuern. Das Prinzip der Digitalisierung bedingt, dass je leiser ein Signal wird, desto geringer auch die Bitrate der Übertragung wird. So können besonders leise Signale förmlich „zerbröseln“. Jeder, der schon einmal ein 8-Bit-Signal gehört hat, weiß was ich meine. Jeder angesteuerte Effekt im digitalen Mischpult fügt dann eher Brösel hinzu, statt Verbesserungen.

Das führt zu folgende Strategie: sorge dafür, dass du schon im Input (Gain) einen guten hohen Pegel hast. Fahre die Kanäle hoch aus, damit alle internen und / oder externen Effekte voll ausgesteuert werden, ebenso die Subgroups. Erst am Ausgang kannst du den Pegel reduzieren, falls nötig, z.B. im Livebetrieb um dem Publikum nicht die Ohren wegzuhauen, oder eventuelle Aufzeichnungsgeräte nicht zu übersteuern. Mache regen Gebrauch von der SOLO-Funktion (falls vorhanden) um den Pegel jeder Zeit zu  checken.

So, das war´s mal wieder. Hat dir der Artikel gefallen? Hast du Anregungen, Fragen? Dann kommentiere hier direkt unter diesem Artikel.


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