Mikrofonie 2, Bändchenmikrofon

Zu den Dynamischen Mikros gehört auch das Bändchenmikrofon. Es war eine Zeit lang aus der Mode gekommen, da es zwar deutlich empfindlicher als das Tauchspulenmikro, aber weit hinter den Leistungsdaten eines Kondensatormikros zurück blieb. Seit einiger Zeit aber bringen immer mehr Hersteller überarbeitete und deutlich verbesserte Versionen dieses Typs auf den Markt, die durchaus eine interessante Alternative zu den Kondensatormikros darstellen. Doch erst einmal zur Konstuktion:

Zwischen 2 Permanentmagneten wird ein hauchdünner Streifen Aluminiumfolie (das Bändchen) aufgehängt. Guckst Du hier:

Das Bändchenmikro

Treffen Schallwellen auf dieses Bändchen, wird es zwischen den Magneten hin und her bewegt. Diese Bewegung induziert nun eine kleine Spannung in dem Bändchen, wie beim Tauchspulenprinzip in der Spule. So weit, so gut. Doch schon hier beginnen die Schwierigkeiten:

  1. Leider ist diese Spannung viel zu klein für einen normalen Mikrofoneingang am Mischpult. Der Wirkungsgrad (Empfindlichkeit) des Mikros liegt bei 1mV / µbar. Das ist nur halb soviel, wie beim Tauchspulenmikro.
  2. Das Bändchen hat einen sehr geringen Widerstand von nur 0,1 Ohm. Es wird also ein Trafo notwendig der den Widerstand auf die üblichen 200 Ohm erhöht.

Die passive Lösung: die meisten Hersteller verwenden einen speziellen Übertrager und schlagen so 2 Fliegen mit einer Klappe. Er erhöht die Spannung und den Widerstend des Mikros. Oft hat dieser Übertrager ein Wicklungsverhältnis von 1 zu 30 und mehr. Das heißt: auf seiner Sekundärseite befindet sich die 30-fache Anzahl an Wicklungen, wie auf seiner Primärseite. Allerdings nimmt die Qualität dieses Übertragers entscheidenden Einfluss auf den Klang des Mikros.

Die aktive Lösung: nur wenige Hersteller benutzen eine elekronische Schaltung um diese Probleme zu lösen. Eigentlich liegt dieser Gedanke nahe, denn heutige Mikrofonvorverstärker (Preamps) haben alle Phantomspeisung und so kann man ein aktives Bändchenmikrofon wie ein Kondensatormikro betreiben.

Bändchenmikrofone sind so genannte Schnelle-Empfänger oder auch Druckgradientenempfänger, im Gegensatz zu Tauchspulenmikros (Schalldruckempfänger). Schnelle-Empfänger werden durch die Druckunterschiede vor u n d hinter dem Mikro angeregt. Dadurch ergibt sich eine Acht als Richtcharakteristik. Konsequenz: man kann das Mikro sowohl von vorne, als auch von hinten besprechen. Auch lassen sich Störquellen gut bei einem Winkel von 90° ausblenden (z.B.: dröhnender Rechner im Heimstudio, oder Nachbarn, die gegen die Wand hämmern und „Ruhe!“ brüllen).

Wenn man sich die Zeichnung ansieht, kann man sich denken, dass Bändchenmikrofone sensibler sind als Tauchspulenmikros. Das Bändchen hat viel weniger Masse als so eine relativ steife Membran mit ’ner Tauchspule dran. So ergibt sich ein guter linearer Frequenzgang, ähnlich wie beim Kondensatormikro und ein starker Nahbesprechungseffekt. Bändchenmikros werden gerne für Aufnahmen von Stimmen eingesetzt, da diese sehr voll und doch durchsichtig klingen. Auch sagt man ihnen sehr seidige Höhen nach, was z. B. Saiteninstrumenten gut tut.

Es ist aber auch Vorsicht geboten im Umgang mit  Bändchenmikros. Harte Erschütterungen nehmen sie richtig übel und man sollte nie direkt auf das Mikro pusten, das kann das Bändchen beschädigen. Also immer einen Popschutz benutzen und mindestens 30 cm Abstand! Ein weiterer Punkt: die passiven Bändchenmikros vertragen meist keine Phantomspeisung! Kommt auch nur für den Bruchteil einer Sekunde eine Spannung beim Bändchen an, brennt es durch. Somit sind diese Mikros reine Studiomikros und für den harten Live-Einsatz völlig ungeeignet.

Und noch was: bei diesem Mikrofontyp gibt es eine Besonderheit. Es hat ja eine „bidirektionale“ Charakteristik, die Acht. Nun könnte es eigentlich egal sein, von welcher Seite man es bespricht. Aber Vorsicht: die beiden Seiten arbeiten gegenphasig! Steht ein Sänger/Sprecher vor der Rückseite dieses Mikros und trägt er einen Kopfhörer, kann es zu Auslöschungen und damit zu einem als hohl oder dumpf empfundenen Klang kommen. Aber nur für den Sänger / Sprecher, denn er hört sich selbst einmal direkt und einmal gegenphasig über den Kopfhörer. Abhilfe schafft: Mikro umdrehen (von vorne besprechen), oder im Mischpult den Phasendreher betätigen. Wohlgemerkt: das Problem besteht nicht für die Aufnahme, sondern nur für den Sänger.

So, das war’s mal wieder. Und wie immer: über Kommentare, Anregungen und Hinweise würde ich mich freuen. Alle Texte in diesem Blog sind nur für private Zwecke gedacht. Keine anderweitige Veröffentlichungen ohne meine Genehmigung. Danke.


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