HD-Recording 1: Windows XP richtig installieren

Wer sich einen funktionierenden Audio-PC aufbauen will, steht schnell vor einigen Problemen. Da nimmt man sein ganzes Geld zusammen, kauft irgendwelche Hardware, von der der Verkäufer gesagt hat „Det Teil is richtig heiß!“, obwohl er selbst nicht einmal weiß, was HD-Recording überhaupt ist, schrantz das Windows und die Programme drauf, nur um dann festzustellen, dass nix funzt! Oder hat man gar bei einer großen Elektromarktkette zugeschlagen, stehen die Chancen 70 / 30 dass der Sequenzer Schluckbeschwerden kriegt. Au weiah! Und nu?

Genauso liest man in vielen Foren immer wieder Beiträge, wie: “ … dieses Update (>>ein bekannter großer Sequenzer<<) ist totele SCHXXXXXX!! Seit das Update drauf ist läuft nix mehr! Alles Müll!“

Wer kennt das nicht? Sind die Softwarehersteller wirklich so blöde ungetestete Updates rauszuhauen? Nein! Zu 98% liegen die Ursachen beim User. Die restlichen 2% verteilen sich auf Hardwarefehler, Inkompatibilitäten und echte Hardwaredefekte.  Äußerst selten nur gibt es so grobe Bugs, dass ganze Rechnersysteme den Löffel abgeben. Das ist heute so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. Man muss schon fast ein Experte werden, um einen funktionierenden Audio-PC aufbauen zu können. Damit also der Adrenalin-Spiegel in Zukunft etwas niedriger ausfallen kann und auch die Testosteron-Kommentare weniger werden habe ich mich entschlossen eine Beitragsserie zum Audio-PC zu schreiben.

Viele Fehler werden schon ganz am Anfang gemacht, beim Installalieren des Windows. Aber für einen guten Audio-PC ist die richtige Installation des Betriebssystems enorm wichtig. Hier gemachte Fehler können das gesamte System unbrauchbar machen, auch wenn man das vielleicht nicht sofort bemerkt. Daher dreht sich der erste Beitrag nur um dieses Thema. Bei Winfuture und Szene1.at gibt es auch sehr interessante Beiträge dazu. Teilweise beziehe ich mich auch darauf.

Die Vorbereitung

Jeder, der schon mal Windows installiert hat, kennt diverse Fehlermeldungen und Abbrüche. Die richtige Systematik ist dabei enorm wichtig. Ich folge weitestgehend der Winfuture-Anleitung, also hier meine Empfehlung:

  1. Aktuelle Treiber

    Besorge dir übers Internet alle aktuellen Treiber zu deiner Hardware: Mainboard, Graphigkarte, Audiotreiber, Netzwerktreiber, Druckertreiber, etc. Wenn mitten in dem Installationsprozess plötzlich ein Treiber fehlt, ist das schnell ein echtes Problem. Oft erkennt Windows nämlich die Netzwerkkarte nicht. Hast du dann keinen zweiten Rechner mit Internetzugang parat, kommst du nicht an aktuelle Treiber ran. WICHTIG: Kopiere dir die SATA- und die Netzwerktreiber auf eine Diskette, wenn du nicht mit einer eigenen Installations-CD (siehe 2.) arbeiten willst.

  2. Installations-CD

    Erstelle dir  eine Installations-CD mit nLite, oder XP-Isobuilder. Das sind 2 Programme mit denen man Service-Packs und Treiber in das Betriebssystem integrieren kann. Außerdem kannst du schon ein paar Voreinstellungen machen, wie: Systemleistung für Hintergrunddienste optimieren, Systemwiederherstellung abschalten, Fehlerberichterstattung auschalten, oder den Lizenzkey eingeben, etc. Ebenso kann man eine komplett automatische Installation erstellen („unattended“, ohne irgendwelche Abfragen).Die Integration von Treibern ist besonders sinnvoll. Heute sind SATA-Platten üblich. Die laufen aber ohne Treiber nicht und werden so bei der Installation nicht erkannt. Und nicht jeder PC hat heute noch ein Diskettenlaufwerk, um den Treiber während der Installation draufzuschranzen.
    Service-Packs sollten ebenfalls integriert werden. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob man sie gleich mit installiert, oder nachträglich aufspielt. Windows läuft dann einfach schneller und stabiler. Auch wurden zumindest bei XP mit den Service-Packs neue Funktionen nachgerüstet, besonders im Sicherheitsbereich. Du kannst dir die Service-Packs komplett bei z.B. Winfuture downloaden. Das Einrichten von Benutzerkonten ist auch hier mit dem XP-Isobuilder ganz einfach. Soll dein PC ans Internet, ist dieser Punkt besonders wichtig. Dazu aber an anderer Stelle (weiter unten) mehr.

  3. HD- Aufteilung

    Mach dir einen Plan über die Festplattenaufteilung. Ein guter Audio-PC braucht heute sehr viel HD-Platz. 1 Terrabyte ist da bei den umfangreichen Soundlibraries keine Seltenheit mehr. Auch sollten es mehrere HDs sein. Warum? Sounddaten (Audiofiles, Samples) sind sehr stressig für eine Festplatte. Wenn du dann vielleicht im Kontakt auch noch das Streaming eingeschaltet hast, hat diese HD jetzt viel zu tun. Soll sie auch noch gleichzeitig von einer anderen Partition Programmdaten lesen und schreiben, ist schnell Schluss. Bei modernen MBs sind die Bussysteme heute leistungsfähig genug, um mehrere HDs gleichzeitig unter Vollast zu bedienen. Der Flaschenhals liegt also eher bei den Festplatten, als beim Bussystem. Deswegen sollte man auch möglichst schnelle HDs verbauen. Hier mein Vorschlag:

    • 1 für Betriebssystem, Programme ca. 30 GB und Songs, ca. 200 -300 GB
    • 1 für die Sounds und Samples mindestens 300 GB
    • 1 für Backups, am Besten extern, 500 GB, besser mehr

    Die Größen hängen natürlich von deinen Bedürfnissen ab. Wenn du mit z.B. der Vienna-Library arbeiten willst, brauchst du allein dafür schon mehr als 500 GB.
    Wie du siehst richte ich auf der Systemplatte immer 2 Partitionen ein. Songdaten gehören nicht auf C:\. Raucht das XP mal ab, sind auch deine Songdaten weg!

Die Installation:

  1. BIOS:

    Zuerst müssen wir ins BIOS, um von CD booten zu können. Dafür während der ersten Bootphase die Taste F2, F12, oder DELETE drücken (das kann auch eine Andere sein, ist bei jedem PC verschieden). Im BIOS gibt es meist ein Hauptmenü „BOOT“. Dort kannst du die Boot-Reihenfolge so einstellen, dass zuerst das CD-Laufwerk nach einem bootfähigen Medium durchsucht wird. Über F10 kann man meist die Einstellungen speichern und das BIOS wieder verlassen.

  2. Start von CD / DVD:

    Der PC bootet nun neu und startet automatisch die Installation von CD. Wenn die Abfrage kommt, wo XP installiert werden soll, hast du auch die Möglichkeit die Festplatten aufzuteilen (Partitionierung), Partitionen zu erstellen,zu formatieren, oder zu löschen. Du hast dir ja hoffentlich schon einen Plan zurechtgelegt, wie du sie aufteilen willst.
    Ist der Rechner noch jungfräulich, kannst du natürlich auch erst einmal das OS installieren und dann unter Windows mit einem speziellen Programm die weiteren HDs formatieren und Partitionieren. Partition Magic von Powerquest z. B. leistet da ganz gute Dienste.

  3. Benutzerkonten:

    Nachdem du etwas später dann aufgefordert wurdest den Lizenzkey einzugeben, kommt die Frage nach einem Kennwort für das Administratorkonto. Wenn du hier nichts einträgst, bootet der Rechner in Zukunft ohne Passwortabfrage. Geht ja schön schnell, aber du arbeitest dann auch immer im Adminmodus, was saugefährlich ist, wenn der PC auch ins Internet soll. Daher hier ein Passwort vergeben UND auch gleich ein Benutzerkonto anlegen. Die Vergabe eines Passwortes für das Adminkonto hat auch noch eine andere Bewandtnis: musst du doch einmal die Reparaturkonsole von Windows nutzen,  um einen Schaden am XP zu beseitigen, fragt diese gnadenlos das Admin-PW ab, egal ob eines vergeben wurde, oder nicht. Hast du keines, ist hier Ende Gelände!

  4. Nun neu booten.

    Ist Windows komplett installiert, solltest du sofort 1 mal neu booten. Bei diesem Vorgang werden noch div. Dateien in ihre richtige Position verschoben. Danach sofort die Bootpartition defragmentieren! Du wirst erstaunt sein, in welchem Chaos Windows die Dateien gespeichert hat.

  5. Treiber installieren:

    Jetzt werden die noch fehlenden Treiber installiert. Die dem Mainboard mitgelieferte Treiber-CD enthält eigentlich immer veraltete Versionen. Hast du dir noch keine aktuellen Treiber besorgt, solltest du das jetzt erledigen. Erst alte Treiber installieren und dann durch neue zu ersetzen ist immer der schlechtere Weg, da oft Datenschrott vom alten Treiber zurückbleibt. Reihenfolge:

    • Mainboardtreiber
    • Graphiktreiber
    • Soundkartentreiber
    • Druckertreiber + sonstiges

    Wichtig: nach jedem installierten Treiber neu booten. Sind alle Treiber drin, solltest du im Gerätemanager nachsehen, ob alle Treiber richtig angezeigt werden, oder noch irgendwelche Fehlermeldungen vorliegen. Dafür: Rechtsklick auf Arbeitsplatz, dann Eigenschaften / Hardware / Gerätemanager. Wenn ja, beseitige sie jetzt.
    Zum Abschluss der Treiberinstallation, wie könnte es anders ein, folgt eine Defragmentierung.

Nun gibt’s noch etwas Feintunig. Für funktionierendes HD-Recording sind einige Änderungen an den Windowseinstellungen zwingend erforderlich. Hierfür brauchst du Administratorrechte (falls du ein Benutzerkonto eingerichtet hast).

  1. Leistungsoptionen:

    Rechtsklick auf Arbeitsplatz, Eigenschaften/ Erweitert/Systemleistung -> Einstellungen/Visuelle Effekte/ dort „Für optimale Leistung“ anhaken.

  2. Hintergrunddienste:

    Rechtsklick auf Arbeitsplatz, Eigenschaften/ Erweitert/Systemleistung -> Einstellungen/Erweitert -> Prozessorzeitplanung: dort auf „Hintergrunddienste“ umstellen.

  3. Fehlerberichterstattung abschalten: (Empfehlung)

    Rechtsklick auf Arbeitsplatz, Eigenschaften/ Erweitert/ unten rechts auf „Fehlerberichterstattung“ / hier auf  „Fehlerberichterstattung deaktivieren“ + Haken entfernen bei: „Aber bei kritischen Fehlern benachrichtigen“

  4. Systemwiederherstellung abschalten:

    Rechtsklick auf Arbeitsplatz, Eigenschaften/ Systemwiederherstellung/ hier „Systemwiederherstellung auf allen Laufwerken deaktivieren“ anhaken. Die Systemwiederherstellung kann Knackser produzieren, wenn sie gerade eine neue Sicherung anlegt, während du mit deiner DAW arbeitest. Besser ist es eh regelmäßige Backups zum machen.

  5. Ordner Eigene Dateien verschieben (Empfehlung)

    Start / Rechtsklick auf „Eigene Dateien“ / Eigenschaften / dort das neue Ziel des Ordners angeben und auf „verschieben“ klicken. Als Ziel empfiehlt sich eine andere Partition,  bzw HD.
    Sinn dieser Aktion: Viele Programme, besonders Plugins von z.B. Nativ Instruments speichern eine Menge Daten und Einstellungen in diesen Ordner. Hinzu kommen noch deine eigenen Daten  wie Downloads, etc. Musst du jetzt dein System neu aufsetzen sind diese Daten weg, wenn du sie nicht vorher gesichert hast.

Damit wäre die Installation selbst abgeschlossen. Nun können die Programme folgen. Ich installiere sie immer auf der Systempartition (meist C:\). Bei Plugins, wie oben schon beschrieben, aufpassen, dass du die Sounddateien auf einer eigenen Partition installierst. Das geht eigentlich immer. Mir ist z. Z. kein Plugin / Klangerzeuger bekannt, der diese Möglichkeit nicht bietet. Viele klicken da einfach weiter, ohne zu lesen.

Ich möchte noch ein paar Bemerkungen anhängen:

  1. Hardwareprobleme

    Hast du alles richtig gemacht, sollte dein System sauber laufen. Tut es das trotzdem nicht, könnte ein Hardwareproblem vorliegen. Bei fast allen Softwareherstellern findest du Supportforen, in denen über Inkompatibilitäten geschrieben wird. Nicht selten gibt es Stress mit z.B. Via-Chipsätzen. Da knackt und kracht es im Datenstrom, obwohl alles richtig eingestellt ist. Dann hilft nur eines: MB rausschmeißen + anderes kaufen.

  2. Benutzerkonten

    Viele User halten dieses Thema für ärgerlich, oder überflüssig. Sie arbeiten ständig mit vollen Administratorrechten und surfen damit auch im Internet. Das halte ich für absolut unverantwortlich! Viren und Trojaner können erst dann richtig in Aktion treten, wenn sie ihre Programmsoftware auf deinem Rechner installieren können. Dafür brauchen sie aber die Adminrechte. Arbeitest du aber mit einem eingeschränkten Benutzerkonto, bekommen sie in der Regel diese Rechte erst gar nicht, sie bleiben also wirkungslos.

    Klar, es ist etwas nervig, wenn man Programmänderungen vornehmen möchte und das nur per Starten des Installers mit Rechtsklick tun kann und bei manchen schlecht programmierter Software nur vom Adminkonto aus. Aber ist dein PC erst einmal richtig verseucht und wird zum Zombie, hilft oft nur noch eines: plattmachen! Und zwar nicht nur C:\, weil jede ausführbare Datei infiziert sein kann. Da kann man nur hoffen, dass du regelmäßig Backups gemacht hast, und zwar extern.

  3. Defragmentierer

    Warum überhaupt defragmentieren? Windows speichert Daten leider auf eine für uns ärgerliche Weise: größere Datenblöcke werden auseinandergerissen, um mit den kleineren Teilen die Sektoren der HD besser ausnutzen zu können. Jedes mal nun, wenn ein Programm mit Daten hantiert, werden diese gelesen und anschließend wieder irgendwo auf die HD geschrieben, und zwar in kleinen Teilen, da wo gerade was frei ist. Auf Dauer werden so die Daten immer mehr zerstückelt. Der Lesekopf der HD flitzt wie ein Irrer über die ganze HD, um alle Teile wieder zusammen zu bringen. Bei großen Dateien (Audio- + Videodaten) wird so der Lesevorgang deutlich langsamer, was am Ende bei HD-Recording zu Stottern, Spratzen und Asio-Overload führt. Deswegen muss gelegentlich der Defragmentierer angeschmissen werden, um die Datenfetzen wieder zusammen zu führen.

    Leider ist der von Windows mitgelieferte Defragmentierer schlicht nicht zu gebrauchen. Er verlangt immer mindestens 15 % freien Speicherplatz auf C:\  und die Ergebnisse sind auch eher mäßig. Daher rate ich zum Kauf eines anderen Defragmentierers, z.B. mstDefrag, oder O&O. Beide laufen auch im Hintergrund und arbeiten dann, wenn der Rechner gerade im Leerlauf ist. Startet dann der Sequencer wieder, schalten sie sich ab.

So, das wars erst einmal für heute. Habt ihr Vorschläge worüber der nächste Beitrag gehen soll? Anderweitige Anregungen, oder Kritik? Dann bitte kommentieren. Danke! Keep on rocking!


Kommentare

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