Effektgeräte – Dynamikprozessoren: der Kompressor 1

Der Kompressor 1

Die Begriffe Pegel und Signal sollten bekannt sein. Anderfalls vorher  hier nachlesen.

Um zu verstehen, was ein Kompressor ist und wie er funktioniert, müssen wir uns kurz mit dem Begriff Dynamik beschäftigen. Die Dynamik eines Tonsignals wird im Wesentlichen durch 2 Parameter bestimmt:

  1. Lautstärkeänderung (zwischen laut und leise)
  2. und der Geschwindigkeit mit der diese Änderung geschieht.

Nun haben manche Signale eine sehr große Dynamik und die macht es schwierig, sie zu übertragen (Beschallung), sie aufzunehmen, oder mit anderen zu mischen.

Ein Beispiel: nehmen wir einen schlechten untrainierten Redner. Mal redet er laut, mal flüstert er. Mal muss man den Fader runterreißen, mal ist er nicht mehr zu verstehen. Die Lösung: ein Gerät, das das Nachregeln übernimmt, der Kompressor. Er wird in den Signalweg eingeschliffen und komprimiert die Dynamik des Signals um einen einstellbaren Faktor, soll heißen: er macht den Unterschied zwischen LAUT und leise kleiner. So wird der Redner nicht mehr so laut und man kann nun den Fader weiter hochschieben, damit die leisen Stellen besser hörber werden.

Wie funktioniert der Kompressor?

Zunächst wird das Signal am Eingang analysiert und in zeitliche Abschnitte unterteilt:

  1. Attack: Anstiegsphase des Signals von „null“ bis zur höchsten Spitze.
  2. Decay: Übergang von der ersten Spitze zur eigentlichen Klangphase
  3. Sustain: die eigentliche Klangphase, meist der längste Teil des Signals
  4. Release: die Ausklangphase

Eine kleine Graphik soll das verdeutlichen:

Hüllkurve ADSR

 

Diese 4 Phasen zusammen werden die Hüllkurve genannt. Syntesizer-Freaks kennen das auch als ADSR. Der Kompressor bearbeitet nun diese Hüllkurve. Dafür müssen wir ihm ein paar Arbeitswerte vorgeben.

  1. Threshold: der Einsatz- oder Arbeitspunkt. Ab diesem Pegel beginnt er zu arbeiten. Alles darunter bleibt unangetastet.
  2. Rate: die Kompressionsrate. Wie stark er komprimieren soll.
  3. Attack: wie schnell der Kompressor zupackt.
  4. Release: wie schnell er sich wieder „rausmogelt“, wenn der Pegel den Threshold unterschreitet.
  5. Gain: hier kann der Gesamtpegel nach dem Kompressor justiert, ev. Pegelverluste kompensiert werden.
  6. Knee: nicht bei jedem Kompressor! Macht den Übergang am Arbeitspunkt weicher. Er mogelt sich praktisch in den Signalweg rein. Das hilft unerwüschte Nebeneffekte fernzuhalten.

Praxis:

Wenn ich nun den Threshold (1) auf -25dB und die Rate (2) auf 3:1 stelle, bedeutet das: übersteigt der Signalpegel diese -25dB begint der Kompressor zu arbeiten. Steigt der Pegel um weitere 3dB an, macht der Kompressor daraus 1dB Anstieg. Steigt der Pegel vor dem Kompressor um 9dB, kommen hinten nur 3dB mehr raus, oder vorne +18dB, hinten +6dB. Also immer Pegelanstieg durch 3 teilen.

Fällt der Pegel wieder unter den Threshold von -25dB, schaltet sich der Kompressor aus und gibt alles 1:1 durch.

Nun sind die Signale ja sehr unterschiedlich. Ein Klavierton hat z. B. eine äußerst kurze Attackphase, Streicher, oder Flöten eine sehr langsame / lange. Um dem gerecht zu werden und möglichst unhörbar zu arbeiten muss die Einsatzgeschwindigkeit des Kompressors veränderbar sein. Dazu dient der Attack-Regler. Aber Vorsicht! Unbedachtes Handeln führt schnell zur Verschlechterung des Signals. Ist die Attacktime zu kurz, klingt alles schnell matschig, ohne Biss. Ist sie zu lang, wird die Attackphase übertrieben. Beides klingt unnatürlch.

Mit der Releastime ist das ähnlich. Auch hier ist Gefühl und Erfahrung gefragt. Generell lässt sich sagen: lange Signale vertragen längere Releasezeiten und kurze Signale brauchen auch kurze Releasezeiten.

Mit dem Gain-Regler kann ich jetzt Pegelverluste die eventuell durch die Kompression entstanden sind aufholen / ausgleichen. Das ist besonders dann wichtig, wenn noch weitere Geräte hinter dem Kompressor im Signalweg liegen, denn korrekte Aussteuerung ist schon fast die halbe Miete auf dem Weg zum guten Ton. Der Inputpegel wird immer über das Mischpult (Software, wie Hardware) geregelt.

Wie anfags schon erwähnt, ermöglicht der Knee-Regler einen sanfteren Einstieg des Kompressors. Doch wie? Zurück zu unserem Beispiel: Threshold= -25dB, Rate= 3:1.

Je nach Einstellung des Knee-Reglers, beginnt der Kompressor in Wirklichkeit schon bei vielleicht -30dB, aber erst einmal mit einer Rate von nur 1,5:1. Bei -27dB ist er dann vielleicht bei 2:1 usw, bis er bei -25dB dann echte 3:1 einsetzt. So mogelt er sich rein und auch wieder raus. Ergebnis: der Kompressor tut seinen Job, ohne das man ihn dabei arbeiten hört.

Grundsätzlich gibt es 2 verschiedene Herangehensweisen um Kompressoren einzusetzen:

  1. Signale besser beherrschbar machen, also zu große Dynamik zu reduzieren. Hier sind Nebeneffekte wie Pumpen nicht akzeptabel. Man darf den Kompressor nicht arbeiten hören, aber er muss seinen Job machen. Hier ist viel Gefühl und Erfahrung beim Einstellen gefragt. Es gilt üben, üben und nochmals üben. Mit den richtigen Einstellungen passt sich z. B. Gesang besser in die Musik ein und Sprache wird deutlicher, besser verständlich.
  2. Klangverändernd, also „Sound machend“. Das tut man z. B. Musikinstrumenten, wie Schlagzeug, Bass, Keyboards, etc. Hier fummelt man solange mit den Einstellwerten herum, bis das gewünschte Klangbild entsteht. Eine Bassdrum bekommt mehr Bauch, oder Druck, kann aber bei falscher Einstellung auch schnell zum Wummern / Dröhnen neigen. Ebenso bei der Snare.

Der Kompressor ist eines der wichtigsten Werkzeuge beim Mischen von Musik und Sprache. Sehr oft wird bei einer Pop-Produktion jedes einzelne Signal individuell komprimiert um eine hohe Dichte zu erreichen und auch die Lautheit zu steigern.

Aber dazu später mehr. Und wie immer gilt: nur für private Zwecke! Keine unerlaubte Weiterverwendung durch Dritte. © 2011 Markus Hausmann.


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