Corona und der Job

Hello again

Endlich, seit langer Zeit zum ersten Mal melde ich mich wieder hier zurück. Auch mich hat der Lockdown auf das häftigste getroffen. Keine Veranstaltungen seit April 2020, keine Konzerte, keine Studiojobs, etc. Das geht an die Substanz! In dem vergangenen Jahr war ich überwiegend mit Katastrophenbewältigung beschäftigt, daher mein monatelanges Schweigen.

Neue Wege gehen

Was bleibt, wenn einem alles um die Ohren fliegt? Überall ein Stoppschild steht? Anfangs dachte ich noch, naja, das geht vorbei. Doch je länger die Pandemie dauerte, desto klarer wurde mir, dass nichts mehr so wird, wie vorher. Kopf in den Sand stecken? Jammern und Klagen?? NEIN! Nicht mit mir!! Ich fing an mir zu überlegen, was ich Neues tun, wie ich mich quasi selbst neu erfinden könnte. Schon im April kam mir die Idee, dass Online-Meetings nicht nur eine vorübergehende Erscheinung wären. Ich bastelte mir flux eine neue Homepage: „Online-Meeting-Coach„. Seit zig Jahren hatten wir in zahllosen Konferenzen immer wieder Online-Meetings technisch realisiert. Das konnte ich nutzen. Die erste Beratung kam auch recht schnell: eine private Sprachenschule in Bonn, die auf hybriden Unterricht (also Präsenz und Online) umstellen wollte, aber nicht wusste wie. Wow! Die Idee war wohl nicht ganz falsch.

Später bot mir ein Kollege und Freund an, für sein Planungsbüro tätig zu werden. Plötzlich musste ich für Ausschreibungen Leistungsverzeichnisse schreiben, die eingehenden Angebote prüfen, etc. Das war alles komplett neu für mich, reine Schreibtischtäterei, aber in einer Konferenz sitzt man ja auch nur den ganzen Tag hinterm Pult. Aber so kam ich durch den Spätsommer und Frühherbst. Dann hat er mich noch auf ne Baustelle gescheucht, den Einbau eines Bandzuges zu überwachen. Mittlerweile fresse ich mich in AutoCAD rein, wieder was komplett neues. Aber Tenmdenzen sind am Horizont sichtbar und meine Berufserfahrung setzt nicht komplett Schimmel an.

Staatliche Hilfen

Ja, ich gestehe, auch ich habe sie in Anspruch genommen. Alles Umdenken und „Neue Wege gehen“ konnte mich nicht davor retten auch staatliche Hilfen in Anspruch zu nehmen. Schon im März 20 brachen 100% der Jobs weg. Ende März habe ich also gleich den ersten Antrag gestellt und auch Geld erhalten. Das hielt dann eine ganze Weile. Dann kam das Planungsbüro und nun November- und Dezemberhilfe. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie es im Frühjahr weiter geht? Ich weiß es nicht. Gerade kam die Meldung, dass der Lockdown bis zum 31.01.21 verlängert wird. Ich gebe die Hoffnung nicht auf und mache weiter. Bei mir haben die staatlichen Hilfen funktioniert und sehr geholfen. Ich weiß auch von anderen Kollegen, bei denen es nicht funktioniert hat. Wer im Vergleich zum Nov. oder Dez. 19 jetzt nur 79,5% Umsatzverlust hatte, der beißt jetzt vermutlich vor Wut in die Tischkante. Denn es gibt erst ab 80% Umsatzverlust Kohle und das ist bitter!

Ungerecht?

Jain! Einerseits tun mir die armen Schweine leid, die es erwischt hat, andererseits: bei jeder Regelung, egal wie man sie gestaltet, fällt jemand durchs Raster. Es gibt keine Netze ohne Löcher. Das ist für diejenigen, die durchfallen immer sehr sehr bitter! Auch wurden und werden in dieser Notlage Fehler gemacht. Niemand kennt ein Patentrezept und die verantwortlichen Politiker schwimmen in trübem Wasser. Alles, was hier geplant und geregelt wird, passiert zum ersten Mal, es gibt keine Erfahrungswerte dazu. Und egal, was und wie sie es machen, sie kriegen hinterher Prügel. Ich möchte für kein Geld der Welt jetzt deren Job machen.

Und: wir haben monatelang demonstriert und gekämpft, damit die Veranstaltungsbranche nicht vergessen wird und eine Überlebenschance bekommt. Seien wir den Kollegen dankbar, die sich da voll reingehängt haben!

Supergail: Hilfsfond

Das Gute zum Schluss: ich habe heute in einer WhatsApp-Gruppe von einem Hilfsfond gelesen, der Spenden sammelt für in Not geratene Kollegen: Tontechniker: innen, Lichtler:innen, StageHands, etc. Nach eigenen Angaben haben die schon über 640 Tsd € gesammelt! Das nenne ich mal Solidarität. Zum Fond gehts hier lang: www.handforahand.de


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