Bierchen und Tütchen am Pult … Verhaltensregeln für Teckies

Eigentlich sollte dieses Thema selbstverständlich sein, aber aus gegebenem Anlass muss ich hier mal was zu Bierchen und Tütchen loswerden. Ich unterhielt mit neulich über dieses Thema mit einem angehenden Kollegen (Fachkraft für Veranstaltungstechnik). Dabei erinnerte ich mich an eine Begebenheit vor ca. 1 Jahr. Aus Diskretionsgründen werde ich keine Namen nennen. Ein Kumpel rief mich an, er war mit seiner Band mitten in einer Rockproduktion in einem Tonstudio. „Geiles Zeug, Alter!“ meinte er am Telefon. „Aber, wenn ich am nächsten Tag zu hause reinhöre, passt alles irgendwie nicht mehr.“ Ich also hin und staunte nicht schlecht. Alle saßen fröhlich in der Regie, rauchten, Bierchen lenzend, gelegentlich machte ne Tüte die Runde. Das Rock´n Roll -Klischee war voll erfüllt.

So weit so gut. Nur auch der Tecki am Pult war fröhlich mit dabei und da hörte für mich der Spaß auf. Die Songs waren gut, die Arrangements auch, aber soundmäßig rollten sich mir die Fußnägel auf: der Bass dröhnte, die BD war zu weit vorne, Keyboards zu mittig, die Vocals zu schrill. Technisch war eigentlich alles okay: Aufnahme auf Protools, ordentliche Abhöre (Genelec 8040a), gute Mikros, brauchbarer Aufnahmeraum …  Zu allem Überfluss bot mir der Tecki auch noch nen Bier an und zuckte nur mit den Schultern als ich vehement ablehnte. Als ich ihn darauf ansprach meinte er etwas beleidigt: „Ab und zu n Bier ist ja wohl noch erlaubt. Also die Tüte, die fass ich nich an. Is ja klar. Muss arbeiten. Aber n Bier, wat isn dabei, hä? Außerdem is das mein Studio!“
Ich meinte: „Klar, ist dein Studio und auch dein Kunde. Aber der scheint mit deiner Mischung nicht so ganz zufrieden zu sein.“
„Wieso, klingt doch ganz gail. Mehr is da kaum noch rauszuholen. Sind ja auch nicht gerade die Superprofis …“

Na super! Gleich 2 Fehler auf mal. Alkohol am Pult und dann die eigene Unzulänglichkeit auf den Kunden abwälzen. Da der Studiotag eh schon zuende war, konnte ich ihn am Ende doch zu einem kleine Test überreden: Kunde rauskomplimentiert, Frischluft rein und Test-CD reingeschmissen. Testtöne von 20 Hz bis 20kHz abgespielt und im Protools den Level anzeigen lassen. Das Gesicht hättet ihr sehen müssen! So´n Test hatte er noch nie gemacht. Bei 8 kHz war schon Schluss. Er sah den Pegel, hörte aber nichts. Für jeden Tontechniker der blanke Alptraum. Wollte er erst auch nicht zugeben. Doch dann kamen die Ausreden: langer Arbeitstag, Müdigkeit, zu wenig Pause gemacht, blablabla.
Ich meinte nur: „Probier das morgen nochmal, aber nüchtern. Wenn Du dann alles wieder normal hörst, weißt Du was los ist! Im Übrigen würde ich an deiner Stelle Alkohol- und Tütenverbot in der Regie einführen. Sollen die sich doch im Aufendhaltsraum den Schädel zulöten.“

Was meint ihr, was war das Ende vom Lied? Na klar, neue Mischung und Alkohl- und Tütenverbot in der Regie. 🙂
Ich bin kein Abstinenzler, wirklich nicht. Aber alles NACH getaner Arbeit. Den obigen Test empfehle ich allen Tonschaffenden. Einmal nüchtern und dann mit ein paar Bierchen im Kopp. Das erklärt dann alles.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass wir Teckies alle auch eine Verantwortung in unserem Job haben, egal ob im Studio, oder Live. Es liegt in unseren Händen, unserem Können, was aus dem Ideengut, welches die Musiker uns anvertrauen wird. Sie sind hier auf uns angewiesen, müssen uns vertrauen. Jeder, der schon mal selbst auf der Bühne gestanden hat, weiß das. Da sind solche Dinge, wie Alkohol und andere Drogen absolut unverantwortlich! Außerdem möchte ich hier nochmals daran erinnern, dass unser Job eine Dienstleistung ist = Dienst am Kunden!  Was würdet ihr sagen, wenn ihr zum Friseur geht und der sich erst mal ne Tüte baut, bevor der zur Schere greift? Ich verlasse heute Clubs gleich wieder, wenn der Tecki am Pult sich einen auf die Lampe gießt. Und Studios, in denen sich der Tecki bedröhnt, sollte man ebenfalls schnellstens verlassen. Zu extrem? Denkt mal ne Weile darüber nach. 😉

So, das war´s wieder mal. Und wie immer: über Kommentare, Anregungen und Hinweise würde ich mich freuen. Alle Texte in diesem Blog sind nur für private Zwecke gedacht. Keine Veröffentlichungen ohne meine Genehmigung. Danke.


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